Ich erinnere mich an einen Besuch von meinem Bruder in meiner Studienzeit. Wir waren beide Anfang 20 und saßen abends in einem Café. Uns bediente eine wirklich attraktive junge Frau – eine mit Charisma und Ausstrahlung – und wir versuchten herauszufinden, was genau wir an ihr so hübsch fanden. Am Ende einigten wir uns darauf, dass es die ersten Linien um ihre Augen im Gesicht seien, die sie so interessant wirken ließen. Viel Jugend, ein bisschen Reife und sehr viel Lebensfreude. Am nächsten Morgen fragte er mich: „Anne, warum steht da Antifalten-Creme in deinem Bad? Haben wir nicht gestern darüber geredet, dass Falten Frauen attraktiv machen?“ Ich fühlte mich ertappt und sagte: „Ja, aber ich will schöne Falten!“

Wie viel Geld gibst du für Cremes, Make-up und Kleidung aus? Wie oft stehst du vor dem Spiegel und fragst dich: „Bin ich schön? Wie werde ich hübsch und beliebt? Was macht Frauen anziehend?“ Und suchst dann die Antwort vor allem bei anderen, indem du dir die Fragen stellst „Wer findet mich schön?“ und „Wie hübsch finden mich andere?“– um nach einem Kompliment doch nie länger als ein paar Minuten zufrieden mit dir zu sein? Wie ich es schaffte, mich wirklich schön und wohl zu fühlen, erzähle ich dir heute.

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Schönheit hieß für mich vor allem: Anderen gefallen

Irgendwann in der Kindheit kommt der Gedanke zum ersten Mal und bleibt für immer: „Ich will schön sein.“ Aber was ist „schön“ eigentlich? Und wie wird man schön?

„Schön“ und „hübsch“ definieren wir viel zu oft über unser Äußeres und legen damit unsere Schönheit in die Augen des Betrachters. Wir machen unseren Selbstwert abhängig von denjenigen, die uns gerade anschauen und von dem optischen Eindruck, den unser Körper in dem Moment macht. Kein Wunder, dass wir uns kurz vor und während der Menstruation unwohl fühlen, wenn uns andere zu genau anschauen. Und an uns zweifeln, wenn sie an den übrigen Tagen nicht genügend hinschauen. Wir wollen unseren Körper ständig optimieren und aufhübschen.

Das Titelbild dieser Story entstand Anfang 2014 – ich bekam tolles Feedback dafür und fühlte mich dadurch ganze 10 Minuten hübsch. Zu  dieser Zeit beäugte ich mich seit Jahren in jedem Spiegel und jedem Schaufenster kritisch und fragte mich „wie hübsch bin ich wirklich?“, benutzte Antifalten- und Anticellulite-Cremes, ging nicht ohne Make-up aus dem Haus, musste wöchentlich shoppen, um mich mit Kleidung aufzuwerten, dachte bei jedem Essen über die Kalorienzahl nach und trieb Sport zur Selbstoptimierung – nicht weil es mir Spaß machen könnte. Schließlich heißt es ja: Wer schön sein will, muss leiden.

Attraktivität hieß für mich vor allem: anderen gefallen. Um mich durch ihre Augen zu sehen und mir dann kurz selbst zu gefallen.

Zu dieser Zeit nahm ich schon viele Jahre die Pille, sah meine Menstruation (die eigentlich nur eine Pillenblutung war) als Schwäche und Hindernis und fühlte mich den Stimmungsschwankungen von PMS machtlos ausgeliefert.

Der unfreiwillige Umbruch

6 Monate später brach für mich eine Welt zusammen: Ich stand kurz vor einem Burnout und meine Beziehung ging in die Brüche. Weil das zu viele Veränderungen in zu kurzer Zeit für mich waren und ich in diesem Zustand keinem meiner Bekannten unter die Augen treten wollte, ließ ich alles hinter mir und ging für ein Sabbatical ins Ausland. Bei all der Planung des Auslandsaufenthalts, dem Stress mit der Wohnungsauflösung und dem Abschiedsschmerz vergaß ich, mir vor der Abreise eine Vorratspackung der Pille verschreiben zu lassen. Und da ich im Ausland nicht zum Frauenarzt gehen wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als sie unfreiwillig abzusetzen. Und blieb bis heute dabei.

Seit dem haben mich meine Menstruationszyklen stärker gefordert als je zuvor. An manchen Tagen fühlte ich mich wunderschön – am nächsten wieder so hässlich wie eine Vogelscheuche. Da ich ziemlich leidensfähig bin, dachte ich anfangs, wir Frauen müssen da eben durch und versuchte meine Körperempfindungen zu ignorieren. Aber die Menstruationsschmerzen und das PMS waren stärker. Sie zwangen mich dazu, mich mit mir selbst zu beschäftigen und zwar nicht nur oberflächlich indem ich versuchte, für andere attraktiv zu wirken. Irgendwann gab ich auf und gönnte mir zur Menstruation Ruhe und siehe da – meine Beschwerden wurden weniger.

Ich lernte, auf die Signale meines Körpers zu hören

Mit der Zeit lernte ich, auf die Signale meines Körpers zu hören und zwar bevor sie unübersehbar waren. Ich stellte wiederkehrende Rhythmen in meiner Stimmung, meinen Kräften und meinem Selbstwertgefühl innerhalb meines Zyklus fest. Am offensichtlichsten war die erhöhte Libido vor dem Eisprung – eine Zeit, in der ich mich ohne viel Zutun selbst mochte und gerne in den Spiegel sah und dachte „ich bin schön“. Zwei Wochen später kam die schlechte Laune und Mattigkeit vor und während der Periode und mit ihr der innere Kritiker: Egal was ich tat, ich fand mich hässlich! Doch umso länger ich hinsah, desto mehr fiel mir auf.  Nicht nur meine Lust und meine Laune schwankten, auch mein Hunger, Appetit und meine Verdauung schienen mit meinem Zyklus zusammenzuhängen. Genauso wie meine Energie und Leistungsfähigkeit. Mit all dem Wissen konnte ich mich auf schwierigere Tage zumindest mental vorbereiten und wusste vor allem während dessen, dass auch wieder bessere Tage kommen werden. Also nahm ich mich in den selbstkritischen Momenten einfach nicht mehr so ernst.

Durch das Verständnis für mich selbst und meinen Körper fühlte ich mich immer gestärkter und selbstbewusster. Ich sah immer öfter gerne in den Spiegel und lächelte mich an – weil ich Stolz für  mich und meinen Körper entwickelte. Die Schwangerschaft und Geburt meines Kindes waren das i-Tüpfelchen: Ich verliebte mich in die Natur von uns Menschen. In all die Wunder, die unsere Körper ermöglichen, wenn sie ein Kind zeugen, behüten und ernähren. Und als ich sah, was mein Körper alles leistete, wozu er fähig war und wie sehr er gleichzeitig meine Fürsorge brauchte, um all das zu ermöglichen, verliebte ich mich schließlich auch in meinen Körper und damit in mich selbst.

Meine Dehnungsstreifen und Falten erinnern mich daran, was ich alles schon erlebt und geleistet habe

Meine Dehnungsstreifen, Narben, Falten, Dellen und nie straff gewesene Brüste sind wie ein Roman, der von meinem Leben, meiner Geschichte und meinen Erfahrungen erzählt. Sie erinnern mich daran, was ich alles schon erleben durfte und was mein Körper und ich schon geleistet haben. Und inzwischen macht mich das unheimlich stolz! Seit dem finde ich mich immer schön und denke nicht mehr darüber nach, wie andere mein Äußeres bewerten. Hübsch sein bedeutet jetzt für mich, im Einklang mit meinem Körper und dankbar für alles erlebte zu sein.

Als ich kurze Zeit später von Zyklusachtsamkeit erfuhr, hatte ich endlich einen Namen für den langen Leidens- und Erkenntnisweg, der hinter mir lag. Zyklusachtsamkeit heißt, deine individuellen Schwankungen im Laufe deines Zyklus kennen und schätzen zu lernen. Das macht dir dein Leben nicht nur deutlich leichter, sondern ist eine Form von Selbstermächtigung und Empowerment. Denn nur wenn du deine momentanen Bedürfnisse kennst und sie verstehst, kannst du auch für sie einstehen und dich auf sie vorbereiten. Zyklusbewusstsein heißt, deinen Körper und dein Frausein zu achten, deine Fähigkeiten wertzuschätzen und eine liebevolle und fürsorgende Beziehung zu dir selbst aufzubauen.

Wie jeder schön sein kann

Wahre Schönheit kommt von innen, hat meine Uroma immer gesagt und jetzt verstehe ich, was sie damit meinte. Es geht nicht darum, Lebensmittel, die schön machen zu essen, sondern einfach zu wissen, dass du schön bist. Ändere die Frage von „Wie schön bin ich?“ zu „Worauf bin ich stolz?“. Was hast du alles schon geleistet, was durftest du durch deinen Körper schon erfahren? Welche schönen und bewegenden Erlebnisse hast du mit deinem Körper schon gehabt?

Sei dankbar und stolz für alles, was du hast – was dich ausmacht, was du erfahren hast und was du geleistet hast. Liebe deine Fraulichkeit und du wirst immer schön sein – von innen und außen!

Wie geht es dir mit deinem Körper? Findest du dich immer schön? Und falls du noch haderst, woran genau liegt das? Kommentiere auf Instagram @Fraulichkeit oder schreibe mir eine Email!

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Fraulichkeit - Wie du es schaffst dich endlich schoen zu fuehlen
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