Die Jahreszeiten deines weiblichen Zyklus & wie sie deinen Arbeitsalltag unterstützen

Mitten in der Pubertät fängt es an und holt dich dann für die Hälfte deines Lebens monatlich ein: deine Menstruation, Periode, Erdbeerwoche oder wie auch immer du sie nennen magst. Als Teenie war es dir vor allem peinlich: „Wissen andere, dass ich gerade meine Tage habe?“, „Wie frage ich in der Schule andere am unauffälligsten nach einem Tampon?“ Als Erwachsene findest du sie nervig: Sie macht das eh schon stressige Leben noch schwerer und kommt immer zum falschen Zeitpunkt. Kommen dir diese Gedanken bekannt vor? Dann lies diesen Artikel! Und am Ende wirst du einen anderen Blickwinkel auf deine Blutung haben – versprochen!

Warum du negative Gefühle zu deiner Menstruation hast

„Je nachdem, wie deine Mutter, deine Familie und dein restliches Umfeld mit dem Thema umgegangen sind, wirst du ganz unterschiedliche Gefühle bei deiner Menstruation haben.“

Alles Beginnt mit deinem ersten Mal. Du bekommst zum ersten Mal deine Blutung und fühlst – ja, was eigentlich? Je nachdem, wie deine Mutter, deine Familie und dein restliches Umfeld mit dem Thema umgegangen sind, wirst du ganz unterschiedliche Gefühle dabei haben und für den Rest deines Menstruationslebens immer wieder fühlen. Von Tabu, Scham, Ekel bis hin zu Stolz, Würde und Freude ist alles möglich. In unserer christlich und konservativ geprägten Gesellschaft wurde bis vor kurzem kaum über unserer körperlichen Prozesse gesprochen. Die Aufklärung im Biologie-Unterricht schenkt dem weiblichen Zyklus ganze 20 Minuten und in der Werbung werden alle Hygieneprodukte mit blauem Wasser getestet – der Farbe für Reinheit. Kein Wunder, dass Mädchen nicht verstehen, was in ihrem Körper passiert, sich kaum trauen, Fragen zu stellen und sich schmutzig fühlen. Sie entwickeln Scham und Abneigung ihrem Körper gegenüber und kämpfen bis ins hohe Alter mit Selbstzweifel und fehlendem Körpergefühl.

Der weibliche Zyklus ist mehr als nur PMS und Blutung

„Einen idealen Zyklus von 28 Tagen gibt es nicht, sondern wurde von den Herstellern der Anti-Baby-Pille erfunden.“

Viele Frauen denken bei dem weiblichen Zyklus lediglich an die Tage mit PMS und ihrer Menstruation. Dabei besteht er auch aus allen anderen Tagen dazwischen und beeinflusst auch an diesen dein Denken, deine Gefühle und deine Kräfte. Jeden Tag hast du einen anderen Hormonhaushalt. Die Hormone Östrogen und Progesteron wechseln dabei innerhalb eines Zyklus zwei Mal ihr Verhältnis: Zum Eisprung und zu Menstruation.

Übrigens: Einen idealen Zyklus von 28 Tagen gibt es nicht, sondern wurde von den Herstellern der Anti-Baby-Pille erfunden. Jede Zykluslänge von 21-37 Tagen ist völlig normal. Auch darf dein Zyklus jedes Mal eine andere Länge haben. Das zeigt nur, dass dein Körper auf deine Lebensumstände und deinen Gesundheitszustand reagiert.

Die Kräfte deines Menstruationszyklus

„In jedem Zyklus durchlebst du 4 Jahreszeiten und hast auch die jeweiligen Gefühle, Bedürfnisse und Kräfte.“

Stelle dir deinen weiblichen Zyklus einmal als ein Jahr im Schnelldurchlauf vor. In jedem Zyklus durchlebst du alle 4 Jahreszeiten und hast die jeweiligen Gefühle, Bedürfnisse und Kräfte.

Die Menstruation ist dein innerer Winter.

Du frierst leicht, dir ist nach Zuhause-sein, Einkuscheln in Decken, Tee und Wärme. Wie im richtigen Winter bist du eher introvertiert, hast nicht so viel Kraft, wie an anderen Tagen und es fällt dir schwerer, dich für Dinge in der Außenwelt zu begeistern und zu motivieren. Das ist völlig normal, denn dein Körper steckt gerade alle Energie in die Reinigung deiner Gebärmutter und das ist ein körperlicher Kraftakt, wie du durch gelegentliche Krämpfe zu spüren bekommst. Starke Regelschmerzen und Blutungen sind oft ein Zeichen von Überanstrengung in dieser Phase. Gönne dir deswegen so viel Ruhe wie möglich! „Ich bin doch nicht krank, sondern habe nur meine Tage!“ denkst du? Dann stell dir deine Menstruation doch mal als eine Minigeburt vor, denn die Mechanismen in deinem Körper sind die gleichen. Und einer Frau wird nach der Geburt bis zu 6 Wochen Ruhe empfohlen – auch Wochenbett genannt.

Nach der Periode kommt dein innerer Frühling.

Du blühst wieder auf und kommst gerne aus deinem Kokon. Deine Kräfte und Stimmung heben sich und du kannst dich wieder auf andere und ihre Bedürfnisse konzentrieren. In dieser Zeit sprühst vor Elan, Ideen und Kreativität. Außerdem steigt deine Libido langsam an.

Die Zeit um den Eisprung ist dein innerer Sommer.

Zu keiner anderen Zeit in deinem Zyklus hast du so viel Progesteron, Östrogen, LH und FSH in deinem Körper, wie jetzt. Das gibt Energie! Du fühlst dich super sexy und wohl in deiner Haut. Du packst Dinge mit Leichtigkeit an, bist Superwoman und Alleinunterhalter in einem. Gleichzeitig prallt jede Kritik von dir ab. Einfach unschlagbar!

Nach dem Eisprung bis zur Blutung kommt dein innerer Herbst.

Der Höhepunkt deiner Libido und deiner Energie sind vorbei. Dein Körper bereitet sich auf den nächsten Winter vor und deswegen fühlst auch du dich nicht mehr so motiviert, neues zu beginnen. Dein Kritiker kommt jetzt raus und lässt es sowohl dich als auch deine Umwelt spüren, wenn deine Bedürfnisse nicht befriedigt und deine Grenzen nicht eingehalten werden. Auch deine Schutzmauern vor der Kritik anderer fallen langsam in sich zusammen. Du wirst empfindsamer und verletzlicher.

Mit Einsetzten der Menstruation beginnt dein nächster Zyklus und innerer Winter. Damit schließt sich der Kreis.

Dein weiblicher Zyklus im Arbeitsalltag

„Deine Hormone ermöglichen es dir, dein Leben regelmäßig aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und es in Hinblick auf verschiedene Qualitäten zu bewerten.“

Du wärst am Liebsten immer Superwoman? Das wäre schade, denn dann bist du zwar immer Heldin für andere, aber nie für dich. Als Superheldin reißt du immer Bäume aus, kommst aber nie dazu inne zu halten, um deine eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu spüren. Deine Hormone ermöglichen es dir, dein Leben regelmäßig aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und es in Hinblick auf verschiedene Qualitäten zu bewerten. Es geht nicht darum, dass du zu bestimmten Zeiten im Zyklus etwas nicht kannst, sondern anzuerkennen, dass in diesem Moment deine Prioritäten wo anders liegen. Kooperiere mit deinem Zyklus und schöpfe die Qualitäten der einzelnen Phasen voll aus! Das kannst du auch super in deinem Arbeitsalltag integrieren.

Dein innerer Winter ist perfekt für Intuition.

Du kannst dich nicht entscheiden oder weißt nicht recht, wie es weiter gehen soll? Nutze die Ruhe und die Empfindlichkeit in deinem inneren Winter, um herauszufinden, was du wirklich willst und brauchst. Visionen, Strategien und Entscheidungen bearbeitest du am besten jetzt. Während der Menstruation sind Frauen am kompromissbereitesten. Wenn du also einen Streit schlichten und auf den anderen zugehen möchtest, ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Dein innerer Frühling ist perfekt für Kreativität.

Du brauchst Ideen oder hast eine kreative Aufgabe vor dir? Lege sie in die Zeit deines inneren Frühlings. Neue Wege finden und neues Erschaffen fällt dir in keiner anderen Zyklusphase so leicht, wie jetzt.

Dein innerer Sommer ist perfekt für große Anlässe.

Jetzt bist du selbstbewusst, unempfindlich und fühlst dich unter Menschen am wohlsten. Diese Zeit ist perfekt für Events, wichtige Meetings, Gehaltsverhandlungen usw. Auch die eine Sache, die du schon so lange vor dir her schiebst, packst du am besten jetzt an!

Dein innerer Herbst ist perfekt für Routinearbeiten.

Dein Körper macht sich „winterfest“ und gibt dir deswegen genügend Energie, um aufzuräumen und auszusortieren. Arbeiten, die nach Schema F zu erledigen sind, liegen dir jetzt am besten. Das können Ablage, Steuererklärung, Buchhaltung usw. sein. Gleichzeitig nimmt dein innerer Kritiker gerade kein Blatt vor den Mund. Du möchtest einen Missstand ansprechen oder endlich Klartext reden? So ehrlich wie jetzt wird es erst im nächsten Zyklus wieder werden!

Wie du PMS und Periode positiv nutzen kannst

„Dein Zyklus ist dein bestes Feedbacksystem.“

Es fällt dir immer noch schwer, PMS und Periode etwas Positives abzugewinnen? Dann probiere das nächste Mal doch die folgenden Tipps aus:

PMS: Beobachte einmal in der prämenstruellen Phase, was genau dich aus der Haut fahren lässt. Nutze danach die Zurückgezogenheit und Ruhe während deiner Menstruation, um in dich hineinzuhören und das dahinter liegende Bedürfnis zu finden. Warum genau setzt dir das so zu? Nimm dann deinen Ideenreichtum im inneren Frühling, um eine Lösung dafür zu finden. Wie kann das Bedürfnis erfüllt werden? Und nutze deinen Tatendrang zum Eisprung, um diese Lösung umzusetzen. Wenn du das jeden Zyklus machst, hast du innerhalb eines Jahres mindestens 12 Probleme weniger!

Menstruation: Wenn du das nächst Mal blutest, sieh es als ein Akt des Loslassens, nicht nur körperlich sondern auch mental. Nimm dir bei der nächsten Periode ein bisschen Zeit und überlege, was du schon länger loswerden willst. Das kann z.B. ein Gedanke, ein Gefühl oder eine Erinnerung sein. Und dann stell dir vor, wie dein Blut diese Sache aus dir rausfließen lässt. Mit jedem Tag deiner Blutung wird es weniger, bis schließlich kein Blut mehr kommt und du es losgeworden bist. Verabschiede dich von der Sache und spüre die Erleichterung, wenn du sie mit dem Tampon oder der Binde in den Müll wirfst. Ab dem Moment erinnert dich deine saubere Unterwäsche tagtäglich daran, dass du frei und darüber hinweg bist.

Menstruationsbeschwerden: Dein Zyklus ist dein bestes Feedbacksystem, denn kaum ein anderer Prozess in deinem Körper reagiert so direkt und empfindlich auf Stress und unerfüllte Bedürfnisse. Du hast Menstruationsprobleme? Dein Zyklus ist unregelmäßig? Du leidest unter extremen PMS? Du hast starke Regelschmerzen? Oder Schwierigkeiten schwanger zu werden? Dann will dir dein Zyklus etwas sagen! Nutze deinen Zyklus als Frühwarnsystem, bevor sich schwerwiegendere Krankheiten oder ein Burnout anbahnen.

Fazit zu deinem weiblichen Zyklus

Dein weiblicher Zyklus hat viel mehr zu bieten, als nur Stimmungsschwankungen und Menstruationsbeschwerden. Dein Zyklus ist nicht dein Limit sondern arbeitet für dich, indem er dir regelmäßig verschiedenste Blickwinkel ermöglicht und dir kontinuierlich Feedback über deine mentale und körperliche Gesundheit gibt. Hör auf, immer wieder die Zähne zusammen zu beißen und so zu tun, als wärst du Tag für Tag gleich drauf. Lerne lieber das Gute in jeder einzelnen Phase des Menstruationszyklus kennen und lebe diese Qualitäten aus! Mit ein bisschen Weitblick kannst du diese super in deinen Arbeitsalltag und in deinem Privatleben integrieren und für dich nutzen. Dein Zyklus wird es dir danken, indem deine Beschwerden vor und während der Menstruation deutlich geringer werden.

Dieser Artikel ist im Rahmen meiner Blogparade „Menstruation am Arbeitsplatz“ entstanden. Aus allen Beiträgen von verschiedensten Bloggern ist ein wunderbares eBook entstanden. Interesse? Zum kostenlosen eBook >>

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